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Call for Papers & Einreichung

Call for Papers: Der Leitfaden für Einreichungen, die angenommen werden

Marin Niehues·18 Min. Lesezeit

Ein Call for Papers ist die öffentliche Ausschreibung, mit der eine Konferenz Vorträge einsammelt, und angenommen wird, wer passend und in ausreichender Zahl einreicht. Eingereicht wird dabei ein Abstract, also eine kurze Beschreibung der geplanten Session, zusammen mit Titel und Kurzbiografie, und den fertigen Vortrag brauchst du erst nach der Zusage. Ein Programmkomitee vergleicht alle Vorschläge eines Themenbereichs miteinander und vergibt nur wenige Plätze. Dieser Leitfaden beantwortet die Fragen rund um Call for Papers und Einreichung der Reihe nach und führt zu den Beiträgen, die jede Frage vertiefen.

Marin Niehues präsentiert vor sitzendem Publikum in einem Raum mit auffälliger geometrischer Deckenverkleidung.

Ein Call for Papers ist die öffentliche Ausschreibung, mit der eine Konferenz Vorträge einsammelt, und angenommen wird, wer passend und in ausreichender Zahl einreicht. Eingereicht wird dabei ein Abstract, also eine kurze Beschreibung der geplanten Session, zusammen mit Titel und Kurzbiografie, und den fertigen Vortrag brauchst du erst nach der Zusage. Ein Programmkomitee vergleicht alle Vorschläge eines Themenbereichs miteinander und vergibt nur wenige Plätze. Dieser Leitfaden beantwortet die Fragen rund um Call for Papers und Einreichung der Reihe nach und führt zu den Beiträgen, die jede Frage vertiefen.

Was ist ein Call for Papers, und wie läuft er ab?

Ein Call for Papers, kurz CfP, ist ein vergleichendes Auswahlverfahren mit fester Frist, in dem eine Konferenz öffentlich sagt, welche Themen und Formate sie für ihre nächste Ausgabe sucht. Der Name stammt aus der Wissenschaft, wo Konferenzen tatsächlich ganze Forschungsarbeiten einsammeln. Im Geschäftsumfeld heißt dasselbe Verfahren oft Call for Speakers oder Call for Proposals, und eingereicht wird der Vorschlag für eine Session, also für einen einzelnen Programmpunkt wie einen Vortrag, einen Workshop oder einen Platz in einer Podiumsdiskussion. Was ein CfP im Einzelnen abfragt und woher der Begriff kommt, erklärt der Beitrag Was ist ein Call for Papers?.

Das Verfahren hat vier Phasen, die bei fast jeder Konferenz gleich aussehen. Zuerst öffnet der Veranstalter das Einreichungsfenster, das einige Wochen offen bleibt. Nach dem Schluss sichtet ein Programmkomitee, also die Gruppe, die das Programm zusammenstellt, alle Vorschläge und bildet daraus eine Rangfolge. Danach gehen Zusagen und Absagen hinaus, und erst in der letzten Phase entsteht der eigentliche Vortrag, für den zwischen Zusage und Bühne meist mehrere Monate Zeit bleiben. Wie lang die einzelnen Abschnitte dauern, zeigt der Zeitplan vom Call for Papers bis zur Bühne.

Eingereicht wird heute überwiegend über Plattformen. Ein großer Teil der Technologiekonferenzen nutzt spezialisierte Einreichungssysteme, auf denen du ein Profil anlegst und deine Sessions hinterlegst, sodass jede weitere Einreichung bei einer Konferenz auf derselben Plattform mit wenigen Angaben auskommt. Andere Veranstalter sammeln über ein eigenes Formular oder per Mail an eine genannte Adresse. Welche Systeme verbreitet sind und worin sie sich unterscheiden, steht im Beitrag über Einreichungsplattformen für Speaker.

Was gehört in eine Einreichung für eine Konferenz?

In eine Einreichung gehören der Titel und das Abstract, also die Beschreibung der Session in meist 150 bis 400 Wörtern, sowie eine Kurzbiografie. Je nach Konferenz kommen Angaben zum Track hinzu, also zur thematischen Schiene des Programms, zum Vortragsniveau sowie zu Format und Dauer. Jedes dieser Felder beantwortet für das Komitee eine eigene Frage, und ein schwaches Feld zieht die ganze Einreichung im Vergleich nach unten.

Der Titel entscheidet, ob ein Bewerter das Abstract überhaupt aufmerksam liest. Er ist später auch der Satz, mit dem die Session im Programm um Publikum wirbt, und deshalb prüft das Komitee ihn mit den Augen eines Teilnehmers, der zwischen parallelen Sälen wählt. Warum er so viel Gewicht hat, zeigt der Beitrag Der Vortragstitel entscheidet, ob dein Abstract gelesen wird.

Das Abstract zeigt, ob der Vortrag ein Problem benennt, das dieses Publikum aus dem eigenen Alltag kennt, und ob dahinter ein zusammenhängender Gedankengang steht, der in der vorgesehenen Zeit zu einem Ergebnis führt. Ein Komitee liest es als Versprechen an die Teilnehmenden. Was ein Abstract leisten muss und wie es sich von einer Werbebeschreibung unterscheidet, erklärt Was ist ein Abstract für eine Konferenz?.

Die Kurzbiografie beantwortet die Risikofrage. Ein Veranstalter, der eine unbekannte Person ins Programm nimmt, steht bei einem schwachen Auftritt vor Publikum und Sponsoren gerade, deshalb sucht er in der Bio nach Belegen, dass die Person ihr Thema aus eigener Praxis kennt. Belegbare Fachkompetenz überzeugt dort auch ohne lange Referenzliste, und wie eine Bio sie vermittelt, steht in Was eine Speaker-Bio leisten muss.

Ein Sonderfall ist die Sprache. Viele Konferenzen, auch in Deutschland, schreiben ihren Call auf Englisch aus und erwarten englische Einreichungen. Eine wörtliche Übersetzung eines deutschen Abstracts liest sich dort oft hölzern, weil Konferenz-Englisch mit kürzeren Sätzen und direkteren Versprechen arbeitet. Worauf es dabei ankommt, zeigt Abstract auf Englisch.

Wonach entscheidet ein Programmkomitee?

Ein Programmkomitee entscheidet nach der Passung zum Publikum, nach dem Abstand zu den anderen Einreichungen im selben Track und nach dem Risiko, das es mit der Person eingeht. Es liest keine Einreichung für sich allein. Jeder Vorschlag steht im Vergleich zu allen anderen, die für denselben Track eingegangen sind, und in diesem Vergleich vergibt das Komitee eine begrenzte Zahl von Plätzen. Eine solide Einreichung scheitert deshalb oft an einer anderen, die dasselbe Thema mit einem schärferen Problem oder einer konkreteren Erfahrung anbietet. Hinzu kommt die Logik des Programms: Ein Komitee, das bereits drei Sessions zu einem Thema hat, nimmt keine vierte, auch wenn sie stark ist.

Der erste Durchgang ist eine Vorsortierung, die je Einreichung nur Sekunden dauert. Hier fallen Vorschläge heraus, die keinem Track zuzuordnen sind, die Pflichtfelder ignorieren oder nach Produktpräsentation klingen. Fachkonferenzen achten streng darauf, dass eine Session Wissen vermittelt, denn ihr Publikum zahlt für Inhalte und reagiert auf Verkaufsabsicht empfindlich. Erst was diesen Durchgang übersteht, wird inhaltlich gelesen und gegen die Konkurrenz im Track gestellt. Welche Signale ein Komitee dabei liest und woran die meisten Einreichungen scheitern, steht in Was ein Programmkomitee in einem Abstract sucht.

Eine Rolle spielt auch die Form der Begutachtung. Beim anonymen Review sieht das Komitee keine Namen und bewertet allein den Inhalt, was Fachleuten ohne Bühnenhistorie entgegenkommt. Beim offenen Review fließen Bio und frühere Auftritte in die Bewertung ein. Diese Form ist bei kommerziellen Konferenzen verbreiteter, weil der Veranstalter dort Tickets und Sponsorenpakete verkauft und sein Programm entsprechend absichern will.

Wie hoch ist die Annahmequote bei Call for Papers?

Marktüblich sagen bei der Menge an Einreichungen, die für einen planbaren Betrieb nötig ist, höchstens 5 Prozent der Konferenzen zu, und wir erreichen für Kunden bis zu 19 Prozent Zusagen je Konferenz. Eine öffentliche Statistik zur Annahmequote im Geschäftsumfeld gibt es bislang keine. Die Zahlen, die im Netz kursieren, stammen meist aus dem Peer Review wissenschaftlicher Fachzeitschriften und sagen über Fachkonferenzen aus der Wirtschaft wenig.

Die belastbarste Grundlage sind deshalb unsere eigenen Einreichungen für Kunden. Von 2.189 eingereichten Abstracts sind 1.374 entschieden, und 94 davon wurden angenommen, was rund 7 Prozent je Abstract entspricht. Weil je Konferenz oft mehrere Abstracts eingehen, ist die Ebene der Konferenz aussagekräftiger: Von 433 entschiedenen Konferenzen haben 83 zugesagt, das sind rund 19 Prozent.

Aus der Quote folgt eine Rechnung, mit der sich jeder Einreichungsbetrieb planen lässt. Bei n Einreichungen mit der Quote p liegt die Chance auf mindestens eine Zusage bei 1 − (1 − p)^n. Wer bei zwanzig Konferenzen einreicht und die marktüblichen 5 Prozent erreicht, hat damit eine Chance von rund 64 Prozent auf wenigstens eine Zusage, und gut jede dritte solche Runde endet ganz ohne Zusage. Bei 19 Prozent je Konferenz steigt dieselbe Chance auf über 98 Prozent.

Woraus die Spanne zwischen 5 und 19 Prozent entsteht, erklärt der Beitrag Wie hoch ist die Annahmequote bei Call for Papers?. Wie viele Einreichungen hinter einer bestimmten Zahl von Auftritten im Jahr stehen, rechnet Wie viele Einreichungen braucht eine Zusage? durch.

Wann laufen die Fristen, und wie früh musst du einreichen?

In unserer Auswertung von 2.415 Konferenzen, die für 2026 Vortragsplätze öffentlich ausschreiben, liegen im Median 50 Tage zwischen Einreichungsschluss und Konferenzbeginn. Der Durchschnitt liegt mit 65 Tagen höher, weil einzelne Konferenzen ihre Calls sehr früh schließen. Für die Planung heißt das: Eine Konferenz im Juni hat ihren Call oft schon im April geschlossen, und wer erst bei der Veröffentlichung des Programms von ihr erfährt, wartet auf die nächste Ausgabe. Was die Vorlaufzeiten im Einzelnen bedeuten, zeigt Wie lange vorher reicht man ein?.

Über das Jahr verteilen sich die Konferenzen ungleich. In derselben Auswertung finden im ersten Quartal 417 Konferenzen statt, im zweiten 717, im dritten 457 und im vierten 824. Oktober ist mit 346 Konferenzen der stärkste Monat, Juli mit 92 der schwächste. Für die Herbstkonferenzen laufen die Calls deshalb vor allem im Sommer, für das Frühjahr in den Wintermonaten davor, und wer die Sommerpause für Urlaub nutzt, verpasst einen großen Teil der Fristen für den stärksten Konferenzzeitraum des Jahres.

Daraus ergibt sich die wichtigste Eigenschaft des Fristenkalenders: Er läuft ununterbrochen. Zu jedem Zeitpunkt des Jahres schließen irgendwo Calls, die für ein Thema passen, und eine Konferenzliste, die im Frühjahr stimmte, ist im Herbst veraltet. Wann die meisten Fristen fallen, zeigen Call-for-Papers-Fristen und Wann ist Konferenzsaison in Deutschland?.

Welche Konferenzen haben einen Call for Papers?

Einen offenen Call for Papers haben vor allem Konferenzen aus Technologie und Software, dazu viele Branchen- und Fachkonferenzen, die einen Teil ihres Programms öffentlich ausschreiben und den Rest über Einladungen besetzen. In unserer Datenbank stehen rund 22.700 Konferenzen, und zum Stichtag dieses Leitfadens waren rund 1.500 Calls for Papers offen. Der Markt dahinter ist groß: Laut Meeting- & EventBarometer fanden 2025 in Deutschland 2,02 Millionen Präsenzveranstaltungen mit 395,1 Millionen Teilnehmenden statt, von der Tagung bis zum Kongress. Wie du darin die Bühnen findest, auf denen deine Kundschaft sitzt, zeigt Fachkonferenzen in Deutschland.

Die Branchen unterscheiden sich stark darin, wie offen ihre Programme sind und wen sie auf die Bühne lassen. Die folgenden Abschnitte ordnen die Felder ein, nach denen am häufigsten gefragt wird.

KI-Konferenzen in Deutschland

KI-Konferenzen in Deutschland lassen sich für 2027 in drei Gruppen ordnen: forschungsnahe Konferenzen mit wissenschaftlichem Review, anwendungsorientierte Business-Konferenzen zu KI im Unternehmen sowie KI-Tracks auf Branchenkonferenzen von der Industrie bis zum Personalwesen. Für Beraterinnen und Berater sind die beiden letzten Gruppen die ergiebigen, weil dort Entscheider sitzen, die Projekte vergeben. KI und Daten ist in unserer Auswertung mit 356 von 2.415 Konferenzen, also 14,7 Prozent, das größte benannte Themenfeld. Entsprechend voll sind die Calls, und ein KI-Abstract kommt durch, wenn es ein konkretes Anwendungsproblem aus der Praxis zeigt statt eines allgemeinen Ausblicks. Die Calls für Konferenzen im ersten Halbjahr 2027 laufen zwischen Herbst 2026 und Frühjahr 2027. Welche Themen dort angenommen werden, zeigt Speaker auf KI-Konferenzen.

HR-Konferenzen in Deutschland

HR-Konferenzen in Deutschland reichen von großen Fachmessen mit Kongressprogramm bis zu kleineren Formaten zu New Work und Personalentwicklung, und viele davon schreiben Vortragsplätze öffentlich aus. Ein Beispiel ist die Zukunft Personal Europe in Köln, deren Call for Speakers Vorschläge für Vorträge und Panels sowie für Workshops annimmt. Die Einreichung ist kostenlos, Honorar und Reisekosten übernimmt der Veranstalter laut seinen Bedingungen nicht. Für Beraterinnen und Coaches entscheidend ist eine weitere Bedingung: Anbieter, die vor allem an Personalabteilungen verkaufen, sind vom Call ausgeschlossen und werden auf Aussteller- und Sponsoringpakete verwiesen. Wie du als HR-Expertin oder HR-Experte trotzdem auf die passenden Bühnen kommst, zeigt Speaker auf HR-Konferenzen.

Entwicklerkonferenzen

Entwicklerkonferenzen sind das Feld mit der dichtesten CfP-Kultur, denn nahezu jede Konferenz zu Programmiersprachen, Cloud oder Softwarearchitektur schreibt ihr Programm offen aus, oft mit anonymem Review durch Fachleute aus der Community. In unserer Auswertung entfallen 281 Konferenzen auf Cloud und DevOps sowie 99 auf Softwarearchitektur und Backend. Die Komitees dort lesen technisch und streng: Ein Talk braucht Code, Architekturentscheidungen oder Messwerte aus echten Projekten, und Produktvorstellungen fallen im ersten Durchgang heraus. Was Komitees von Tech-Talks erwarten, steht in Speaker auf Entwicklerkonferenzen.

Marketing-Konferenzen

Bei den großen Marketing-Konferenzen in Deutschland ist das Programm zu großen Teilen kuratiert oder an Partnerschaften gebunden, und offene Calls gibt es vor allem für einzelne Bühnen und Formate. Die DMEXCO in Köln ruft mit ihrem Call for Speakers ausdrücklich unabhängige Stimmen und Fachleute von Werbetreibenden auf, sich für einen Vortrag oder einen Platz auf einem Panel zu bewerben. Speaker aus Anbieterunternehmen erscheinen laut Veranstalter nur dann im Programm, wenn ihr Unternehmen registrierter Partner ist. Wer Marketingleistungen verkauft, steht damit vor derselben Grenze wie HR-Anbieter auf HR-Messen, und für Festivals und Suchmaschinenkonferenzen der Branche gilt eine ähnliche Logik. Welche Wege auf diese Bühnen führen, zeigt Speaker auf Marketing-Konferenzen.

Konferenzen in den USA und in Europa

Die USA sind das größte Land für offene Calls: In unserer Auswertung entfallen 391 der 2.415 Konferenzen auf die USA, gefolgt von Indien mit 120, und Deutschland liegt mit 88 Konferenzen an fünfter Stelle. Ein bekanntes Beispiel für ein offenes Verfahren ist SXSW in Austin, wo Vorschläge über den PanelPicker eingereicht werden und neben dem Urteil der Mitarbeitenden und externen Gutachter auch eine öffentliche Abstimmung der Community in die Auswahl einfließt. Amerikanische Komitees erwarten englische Einreichungen mit klarem Nutzenversprechen, und die Reise kostet in der Regel drei Tage plus Vorbereitung. Was dort anders läuft, zeigt Speaker auf Konferenzen in den USA, und wo in Europa die meisten Speaker gesucht werden, steht in In welchen Ländern Europas Konferenzen die meisten Speaker suchen.

Wie kommst du auf eine Konferenz ohne Call for Papers?

Konferenzen ohne offenen Call erreichst du über eine direkte Anfrage beim Veranstalter, und für viele Branchen- und Verbandskonferenzen ist das der übliche Weg ins Programm. Gerade in Industrie, klassischer Beratung und Mittelstand besetzen Veranstalter ihr Programm über Kontakte, Empfehlungen und gezielte Anfragen. Nach unserer Erfahrung läuft dieser Weg am besten als teilstandardisierte Ansprache per Mail mit einem auf die Konferenz zugeschnittenen Einstieg, zehn bis fünfzehn Anfragen pro Woche, sobald die Konferenzliste steht. Wie eine solche Anfrage aufgebaut ist und wann sie ankommt, zeigt Veranstalter direkt anschreiben.

Ein dritter Weg ist der gekaufte Platz. Bei Pay to Speak bezahlt der Speaker für seinen Vortragsplatz, meist als Teil eines Sponsoringpakets, und das kostet schnell 10.000 Euro und mehr für einen einzigen Vortragsplatz. Gesponserte Sessions sind im Programm oft nicht gekennzeichnet, für das Publikum stehen sie neben den ausgewählten Vorträgen. Weil das Publikum einer Fachkonferenz wegen des Wissens kommt, ist ein Vortrag mit sichtbarer Verkaufsabsicht dort ein teurer und schwacher Akquiseweg. Wann sich ein solcher Platz rechnet und wann nicht, behandelt Sponsored Talk und Pay to Speak.

Was passiert nach der Einreichung?

Nach der Einreichung folgen meist einige Wochen ohne Nachricht, danach kommt eine Zusage, eine Absage oder gar keine Antwort, und jede dieser Lagen verlangt eine eigene Reaktion. Viele Konferenzen entscheiden erst nach dem Schluss des Calls und benachrichtigen alle Einreichenden gesammelt, einige melden sich bei Absagen gar nicht. Ein freundliches Nachfassen nach Ablauf der angekündigten Frist ist üblich und wird von Veranstaltern selten als Druck gelesen. Was zwischen Einreichung und Zusage passiert und wann eine Nachfrage angebracht ist, zeigt Nachfassen nach dem Call for Papers.

Absagen kommen fast immer ohne Begründung, weil ein Komitee bei dreistelligen Einreichungszahlen keine Einzelrückmeldungen schreiben kann. Dasselbe Abstract darfst du danach bei anderen Konferenzen einreichen, und so arbeitet jeder Einreichungsbetrieb. Wer nach mehreren Absagen im selben Feld Muster erkennt, schärft Titel oder Problem, bevor er die Session weiter verschickt. Wie du eine Absage einordnest und was danach sinnvoll ist, steht in Ich wurde als Speaker abgelehnt: was jetzt?.

Nach einer Zusage beginnt die zweite Hälfte der Arbeit. Mit dem Veranstalter sind Technik, Ablauf und Vereinbarung zu klären, der Vortrag wird gebaut und geprobt, und nach dem Auftritt entscheidet das Nachfassen der Kontakte darüber, ob aus der Bühne Aufträge werden.

Wie viel Arbeit steckt in einem Einreichungsbetrieb?

Ein Einreichungsbetrieb, der planbar Zusagen bringt, umfasst nach unserer Erfahrung im ersten Monat mindestens hundert Einreichungen auf rund zwanzig Konferenzen und danach mindestens fünfzig im Monat. Diese Menge entsteht über ein festes Set vorbereiteter Sessions, die für jedes Formular angepasst werden, und über Einreichungsplattformen sind so fünfzehn bis zwanzig Einreichungen an einem Tag realistisch. Daneben stehen je Quartal zwei bis drei rein qualitative Einreichungen, die tief auf eine einzelne Konferenz der obersten Liga zugeschnitten sind und Stunden statt Minuten kosten. Software und Technologie mit aktiver CfP-Landschaft starten mit der großen Stückzahl, Industrie, klassische Beratung und Mittelstand starten mit der direkten Ansprache per Mail.

Dazu kommt die Arbeit, die in keiner Einreichungszahl auftaucht: Konferenzen finden und auf ihr Publikum prüfen, Fristen über das ganze Jahr verfolgen, Abstracts auf Englisch und Deutsch pflegen, Profile auf mehreren Plattformen aktuell halten und nach jeder Runde nachfassen. Für Beraterinnen, Freelancer und Unternehmer läuft das neben Mandaten, und in den Wochen, in denen Projekte drücken, bleibt der Betrieb als Erstes liegen. Weil zwischen Einreichung und Bühne Monate vergehen, fällt eine Pause von sechs Wochen erst ein halbes Jahr später als leerer Kalender auf.

Diese Arbeit übernimmt Stage Starter für dich: Wir finden die passenden Calls, schreiben die Einreichung und reichen in deinem Namen ein, fassen nach und begleiten dich bis auf die Bühne. Du lieferst dein Fachwissen und gibst frei. Die Zusammenarbeit startet ab 990 € netto im Monat für den ganzen Betrieb, während ein einziger gekaufter Vortragsplatz schnell 10.000 Euro und mehr kostet. Eine Zusage kann keine Agentur garantieren, darüber entscheidet das Programmkomitee. Wie die Einreichung durch eine Agentur im Einzelnen läuft, zeigt Call for Papers einreichen lassen, und was beim Schreiben der Texte passiert, steht in Abstract schreiben lassen.

Häufige Fragen

Welche KI-Konferenzen gibt es in Deutschland 2027?

Für 2027 gibt es in Deutschland forschungsnahe KI-Konferenzen, anwendungsorientierte Business-Konferenzen zu KI im Unternehmen sowie KI-Tracks auf vielen Branchenkonferenzen. Für Beraterinnen und Berater sind die beiden letzten Gruppen die wichtigsten, weil dort Projektverantwortliche im Saal sitzen. Die Calls für das erste Halbjahr 2027 laufen zwischen Herbst 2026 und Frühjahr 2027.

Welche HR-Konferenzen in Deutschland haben einen Call for Papers?

Viele HR-Konferenzen in Deutschland schreiben Vortragsplätze öffentlich aus, von großen Fachmessen mit Kongressprogramm bis zu kleineren Formaten zu New Work. Die Zukunft Personal Europe etwa schließt Anbieter, die vor allem an Personalabteilungen verkaufen, vom offenen Call aus und verweist sie auf Aussteller- und Sponsoringpakete. Für Beraterinnen und Coaches sind deshalb Fachkonferenzen mit unabhängigem Komitee und Verbandsveranstaltungen die passenderen Bühnen.

Welche Entwicklerkonferenzen in Deutschland haben einen Call for Papers?

Nahezu alle Entwicklerkonferenzen in Deutschland zu Programmiersprachen, Cloud und Softwarearchitektur arbeiten mit offenem Call for Papers. Viele davon begutachten anonym, was Fachleuten ohne Bühnenhistorie entgegenkommt. Angenommen werden Talks mit Code, Architekturentscheidungen oder Messwerten aus echten Projekten.

Welche Marketing-Konferenzen haben einen Call for Papers?

Große Marketing-Konferenzen haben meist einen Call for Speakers für einzelne Bühnen, während ein großer Teil des Programms kuratiert oder an Partnerschaften gebunden ist. Die DMEXCO etwa ruft unabhängige Fachleute und Werbetreibende zur Einreichung auf, Speaker von Anbietern erscheinen dort nur über eine Partnerschaft. Fachkonferenzen mit thematischem Schwerpunkt sind für Dienstleister deshalb oft der direktere Weg.

Welche großen Konferenzen in den USA haben einen Call for Papers?

In den USA hat ein großer Teil der Technologie-, Software- und Branchenkonferenzen einen offenen Call, und mit 391 von 2.415 Konferenzen in unserer Auswertung sind die USA das größte Land für offene Calls. Ein bekanntes Beispiel ist SXSW, wo die Auswahl über den PanelPicker mit öffentlicher Abstimmung und Gutachtern läuft. Eingereicht wird auf Englisch, und die Reise kostet rund drei Tage zusätzlich zur Vorbereitung.

Muss mein Vortrag fertig sein, bevor ich einreiche?

Dein Vortrag muss zum Zeitpunkt der Einreichung noch nicht existieren. Eingereicht wird das Abstract, und der Vortrag entsteht in den Monaten zwischen Zusage und Auftritt. Das Abstract muss allerdings so konkret sein, dass das Komitee den Gedankengang des späteren Vortrags erkennt.

Wird man für einen Vortrag nach einem Call for Papers bezahlt?

Auf Fachkonferenzen mit offenem Call gibt es meist kein Honorar, oft übernimmt der Veranstalter das Ticket und manchmal die Reisekosten. Gagen zahlen vor allem Firmenveranstaltungen und Kongresse für eingeladene Keynotes. Für Expertinnen und Experten, die Kunden gewinnen wollen, ist ein einziger Auftrag aus einem Vortrag mehr wert als jede Gage, und wie sich Honorare im Markt verteilen, zeigt Speaker-Honorar und Gage.

Kann jemand anders für mich beim Call for Papers einreichen?

Eine Agentur kann in deinem Namen einreichen, und das ist bei Konferenzen üblich und zulässig. Du bleibst die Person auf der Bühne, gibst Inhalte frei und hältst den Vortrag selbst. Die Agentur übernimmt Recherche und Texte sowie Einreichung und Nachfassen.

Vom Leitfaden zur ersten Zusage

Wer die Fragen dieses Leitfadens kennt, sieht auch, wie viel Betrieb zwischen dem ersten Abstract und der ersten Zusage liegt. Ob dein Thema und deine Zielkunden zu den Konferenzen passen, auf denen wir einreichen, klären wir in einem Erstgespräch.

Marin Niehues

Marin Niehues

Marin Niehues ist Management-Berater und internationaler Speaker. Mit Niehues Consulting begleitet er Organisationen von Scaleups bis DAX40-Konzernen, auf der Bühne hat er über 100 internationale Konferenzeinladungen gesammelt.

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