Speaker auf Entwicklerkonferenzen: Was Programmkomitees von Tech-Talks erwarten
Programmkomitees von Entwicklerkonferenzen erwarten einen Tech-Talk, der ein echtes technisches Problem aus dem Betrieb löst, ein klares Niveau hat und ohne Verkaufsabsicht auskommt. Fast alle diese Konferenzen besetzen ihr Programm über einen offenen Call for Papers, und über die Vorschläge entscheiden Fachleute aus der Community. Auf großen Konferenzen kommen auf einen Vortragsplatz mehr als zehn Vorschläge, weshalb ein Vorschlag jede Frage des Komitees vorab beantworten muss. Dieser Beitrag erklärt das Auswahlverfahren und den Weg auf diese Bühnen.

Programmkomitees von Entwicklerkonferenzen erwarten einen Tech-Talk, der ein echtes technisches Problem aus dem Betrieb löst, ein klares Niveau hat und ohne Verkaufsabsicht auskommt. Fast alle diese Konferenzen besetzen ihr Programm über einen offenen Call for Papers, und über die Vorschläge entscheiden Fachleute aus der Community. Auf großen Konferenzen kommen auf einen Vortragsplatz mehr als zehn Vorschläge, weshalb ein Vorschlag jede Frage des Komitees vorab beantworten muss. Dieser Beitrag erklärt das Auswahlverfahren und den Weg auf diese Bühnen.
Wie vergeben Entwicklerkonferenzen ihre Vortragsplätze?
Entwicklerkonferenzen vergeben den größten Teil ihrer Vortragsplätze über einen Call for Papers, also die öffentliche Ausschreibung, mit der eine Konferenz Vortragsvorschläge einsammelt. Wer sprechen will, reicht ein Abstract ein, die kurze Beschreibung des geplanten Vortrags, die später auch im Programm steht, und oft dazu eine Gliederung. Über die Vorschläge entscheidet ein Programmkomitee, die Gruppe von Fachleuten, die alle Einreichungen bewertet und daraus das Programm zusammenstellt.
Bei Entwicklerkonferenzen besteht dieses Komitee fast immer aus Praktikerinnen und Praktikern, die selbst Software bauen und ehrenamtlich bewerten. Die Cloud Native Computing Foundation beschreibt das Verfahren für die KubeCon + CloudNativeCon in drei Stufen. Zuerst bewerten mindestens fünf freiwillige Gutachter je Themenbereich jeden Vorschlag mit Punkten und Kommentaren, danach empfiehlt die Leitung jedes Themenbereichs die besten 30 Prozent. Die beiden Programmverantwortlichen treffen daraus die endgültige Auswahl und achten auf eine Mischung der Unternehmen und auf einen festen Anteil von Menschen, die zum ersten Mal auf dieser Konferenz sprechen.
Ein Teil der Konferenzen liest die erste Runde anonym. Die Gutachter sehen dann nur den Vorschlag selbst, und Name oder Arbeitgeber spielen bei der ersten Bewertung keine Rolle. Für Fachleute ohne Bühnenerfahrung ist das ein Vorteil, denn ihr Vorschlag konkurriert allein über seinen Inhalt. Wie ein Call for Papers vom Fund bis zur Zusage verläuft, erklärt der Leitfaden zum Call for Papers.
Die erste Zahl hat die Cloud Native Computing Foundation zu ihrer europäischen Konferenz veröffentlicht. Auf jeden Vortragsplatz kamen dort mehr als elf Vorschläge, 58 Prozent der Einreichungen stammten von Anbietern, und unter den angenommenen Vorträgen lag der Anteil der Anwenderunternehmen mit 45 Prozent höher als bei den Einreichungen. Die zweite Zahl stammt von der DOAG, die die JavaLand als Community-Konferenz rund um Java ausrichtet. Die dritte Zahl kommt aus unserer Auswertung von 2.415 Konferenzen, die für 2026 Vortragsplätze öffentlich ausschreiben, dort entfallen weitere 99 auf Softwarearchitektur und Backend.
Was erwarten Programmkomitees von einem Tech-Talk?
Programmkomitees erwarten von einem Tech-Talk ein klar umrissenes technisches Problem und eine Lösung, die im Betrieb erprobt ist, mit einem ehrlichen Bild von Aufwand und Fehlern auf dem Weg dorthin. Vorschläge, die ein Werkzeug vorstellen oder eine Technik in allgemeinen Worten erklären, fallen durch, weil das Publikum diese Grundlagen aus Dokumentation und Videos kennt. Angenommen wird, wer etwas berichtet, das nur aus eigener Arbeit stammen kann, etwa die Migration eines gewachsenen Systems mit gemessenen Antwortzeiten vorher und nachher oder einen Ausfall mit seiner Ursache und den Änderungen danach.
Das zweite Kriterium ist das Niveau. Fast jedes Formular fragt, ob sich ein Vortrag an Einsteiger oder an Fortgeschrittene richtet, und das Komitee prüft, ob der Vorschlag zu dieser Angabe passt. Ein Vortrag, der als fortgeschritten eingereicht ist und zwanzig Minuten Grundlagen erklärt, enttäuscht den Saal und schadet der Bewertung der Konferenz. Gutachter lesen deshalb die Gliederung genau, denn sie zeigt, wie viel Zeit auf welchen Teil entfällt und ob der Vortrag in den vorgesehenen Slot passt.
Das dritte Kriterium ist der Nutzen nach der Session. Das Publikum einer Entwicklerkonferenz will Wissen mitnehmen, das es im eigenen Projekt anwendet, etwa ein Muster für die Fehlerbehandlung oder eine Entscheidungsregel für die Wahl einer Datenbank. Ein Abstract, das diese Erkenntnisse ausdrücklich nennt, macht dem Komitee die Bewertung leicht. Viele Komitees schätzen Live-Demos und Code auf den Folien, sie bewerten aber auch das Risiko, denn eine Demo, die vor Publikum ausfällt, kostet die Session ihren stärksten Teil. Was ein Komitee über alle Konferenzarten hinweg sucht, beschreibt der Beitrag Was ein Programmkomitee in einem Abstract sucht.
Welche Formate gibt es auf Entwicklerkonferenzen?
Auf Entwicklerkonferenzen gibt es vier Grundformate: den Lightning Talk von fünf bis zehn Minuten, den regulären Vortrag von 30 bis 50 Minuten, den Workshop über einen halben oder ganzen Tag und die Keynote. Lightning Talks zeigen eine einzige Idee, und viele Konferenzen vergeben sie kurzfristig oder in einem eigenen Call. Der reguläre Vortrag ist das Format, über das die meisten Expertinnen und Experten auf eine Bühne kommen, und er bildet den größten Teil jedes Programms. Workshops verlangen eine eigene Einreichung mit Lernzielen und mit der technischen Vorbereitung, die die Teilnehmenden mitbringen müssen.
Keynotes besetzen die Programmverantwortlichen meist über Einladung, und bei großen Konferenzen gehören gesponserte Keynotes zum Paket der Hauptsponsoren. Die JavaLand führt einen eigenen Newcomer-Call für Menschen, die zum ersten Mal sprechen, und viele Konferenzen bieten neuen Speakern eine Begleitung durch erfahrene Kolleginnen und Kollegen an. Daneben bieten Meetups und User Groups, also die regelmäßigen lokalen Treffen einer Technik-Community, kleine Bühnen mit kurzer Vorlaufzeit, und ein Auftritt dort liefert den Mitschnitt, nach dem viele Formulare großer Konferenzen fragen.
Warum fallen Produktvorträge auf Entwicklerkonferenzen durch?
Produktvorträge fallen auf Entwicklerkonferenzen durch, weil Komitees ihr Programm vor Werbung schützen und das Publikum Verkaufsabsicht sofort erkennt. Die Cloud Native Computing Foundation schreibt in ihren Vorgaben für Einreichungen ausdrücklich, dass Vorschläge mit Verkaufs- oder Marketingcharakter fast immer abgelehnt werden, weil sie der Glaubwürdigkeit der Konferenz schaden. Ähnliche Regeln stehen in den Ausschreibungen der meisten Community-Konferenzen, oft verbunden mit einem Verhaltenskodex für alle Speaker.
Softwareanbieter haben auf diesen Bühnen trotzdem gute Chancen. Sie reichen auf großen Konferenzen die Mehrheit der Vorschläge ein und stellen einen großen Teil der angenommenen Vorträge, sprechen dort aber über ein Problem, das das Publikum auch ohne ihr Produkt hat. Ein Vortrag über die Fehlersuche in verteilten Systemen, in dem das eigene Werkzeug als eines von mehreren Beispielen auftaucht, wird angenommen, während ein Vortrag mit dem Produktnamen im Titel scheitert. Wo das Publikum die Grenze zieht, beschreibt der Beitrag Fachvortrag oder Werbevortrag.
Neben dem offenen Call verkaufen große Konferenzen Sponsorenpakete, zu denen teils ein Vortragsplatz gehört. Dieses Modell heißt Pay to Speak, und ein solcher Platz kostet schnell 10.000 Euro und mehr für einen einzigen Vortragsplatz. Gesponserte Sessions sind im Programm oft nicht als solche gekennzeichnet, ein technisches Publikum liest sie trotzdem häufig als Werbung. Der Platz aus dem Call for Papers kostet dich dagegen nur Vorbereitung und Reise, und die Auswahl durch das Komitee bestätigt vor dem Saal die fachliche Qualität deines Vortrags.
Wie kommst du als Expertin oder Experte auf Entwicklerkonferenzen?
Als Expertin oder Experte kommst du auf Entwicklerkonferenzen mit einer Serie von Einreichungen, die jeden Vorschlag auf den Themenbereich und das Niveau der jeweiligen Konferenz zuschneiden. Die Zahl der Calls ist groß, die Fristen liegen eng beieinander, und jedes Formular fragt anders nach Gliederung und Vorerfahrung. In unserer Auswertung liegen zwischen dem Ende eines Call for Papers und dem Beginn der Konferenz im Median 50 Tage, und wer eine Frist verpasst, wartet meist ein Jahr bis zur nächsten Ausgabe. Internationale Konferenzen verlangen Abstract und Vortrag auf Englisch, worauf der Beitrag über internationale Konferenzen näher eingeht.
Diese Arbeit übernimmt Stage Starter für dich: Wir finden die passenden Calls, schreiben die Einreichung und reichen ein. Dazu gehören der Zuschnitt deines Vortrags auf Entwickler- und Community-Konferenzen, die Fassungen auf Deutsch und Englisch und das Nachfassen bis zur Zusage. Du lieferst dein Fachwissen aus Projekten und gibst Vortrag und Abstracts einmal vor dem Start frei. Ab 990 € netto im Monat startet die Zusammenarbeit, und wer vorher einen schriftlichen Fahrplan will, beginnt mit dem Speaker Audit ab 2.000 € netto.
Bei unseren Einreichungen für Kunden kommen wir auf bis zu 19 Prozent Zusagen je Konferenz, marktüblich sind bei dieser Menge an Einreichungen höchstens 5 Prozent. Bei zehn Konferenzen liegt die Chance auf mindestens eine Zusage bei 19 Prozent je Konferenz rechnerisch bei rund 88 Prozent, bei 5 Prozent je Konferenz bei rund 40 Prozent. Grundlage sind 2.189 eingereichte Abstracts und rund 22.700 Konferenzen in unserer Datenbank, mit rund 1.500 offenen Calls for Papers zum Stichtag. Eine Zusage garantiert keine Agentur, darüber entscheidet jedes Programmkomitee selbst. Wie eine Agentur für IT- und Softwareunternehmen arbeitet, beschreibt der Beitrag über die Speaker-Agentur für IT und Software.
Häufige Fragen
Wie werde ich Speaker auf einer Entwicklerkonferenz?
Speaker auf einer Entwicklerkonferenz wirst du über eine Einreichung im Call for Papers, über die ein Programmkomitee aus Fachleuten entscheidet. Dein Vorschlag braucht einen konkreten Titel und ein Abstract mit einem Problem aus dem Betrieb, dazu eine Gliederung, die zum angegebenen Niveau passt. Weil auf großen Konferenzen mehr als zehn Vorschläge auf einen Platz kommen, führt der Weg über mehrere Einreichungen.
Brauche ich Bühnenerfahrung, um auf einer Tech-Konferenz zu sprechen?
Nein, viele Entwicklerkonferenzen nehmen bewusst Menschen auf, die zum ersten Mal sprechen. Einige führen eigene Newcomer-Calls oder Begleitprogramme, und Konferenzen mit anonymer erster Runde bewerten allein den Inhalt. Hilfreich ist der Mitschnitt eines früheren Auftritts, etwa aus einem Meetup, weil manche Formulare danach fragen.
Werden Speaker auf Entwicklerkonferenzen bezahlt?
Speaker aus dem Call for Papers bekommen auf Entwicklerkonferenzen meist kein Honorar, dafür ein freies Ticket und auf vielen Konferenzen Reise und Hotel. Honorare zahlen Veranstalter vor allem für eingeladene Keynotes, im Markt liegen sie für Einsteiger bei 1.000 bis 3.000 € und für bekannte Keynote-Speaker bei 6.000 bis 15.000 €. Für Fachleute mit eigenem Angebot ist ein einziger Auftrag aus dem Publikum mehr wert als jede Gage, wie der Beitrag über Speaker-Honorar und Gage zeigt.
Muss ich auf einer Entwicklerkonferenz auf Englisch sprechen?
Auf internationalen Entwicklerkonferenzen sprichst du Englisch, auf vielen Konferenzen im deutschsprachigen Raum wahlweise Deutsch oder Englisch. Die Ausschreibung nennt die Sprache, und manche Formulare fragen sie je Vorschlag ab. Wer beide Sprachen anbietet, kommt für deutlich mehr Calls in Frage.
Darf ich auf einer Entwicklerkonferenz Live-Coding zeigen?
Ja, Live-Coding und Demos sind auf Entwicklerkonferenzen verbreitet und beim Publikum beliebt. Komitees achten darauf, dass die Demo in den Slot passt und der Vortrag bei einem technischen Ausfall weiterläuft. Erfahrene Speaker halten deshalb eine aufgezeichnete Fassung der Demo bereit.
Wie lang ist ein Vortrag auf einer Entwicklerkonferenz?
Ein regulärer Vortrag dauert auf Entwicklerkonferenzen 30 bis 50 Minuten, ein Lightning Talk fünf bis zehn Minuten, und Workshops laufen einen halben oder ganzen Tag. Bei vielen Konferenzen gehört die Fragerunde zum Slot, weshalb der eigentliche Vortrag einige Minuten kürzer geplant wird.
Wie viele Vorschläge darf ich bei einer Tech-Konferenz einreichen?
Viele Tech-Konferenzen erlauben mehrere Vorschläge je Person und nehmen höchstens einen Vortrag je Speaker an, so hält es etwa die KubeCon. Manche begrenzen die Zahl ausdrücklich, die Begleitkonferenzen der KubeCon zum Beispiel auf zwei Vorschläge je Veranstaltung. Mehrere Vorschläge zu verschiedenen Themenbereichen erhöhen die Chance auf eine Zusage.
Kann ein Softwareanbieter auf einer Entwicklerkonferenz sprechen?
Ja, Anbieter stellen auf großen Entwicklerkonferenzen sogar die Mehrheit der Einreichungen. Angenommen werden ihre Vorschläge, wenn sie ein Problem behandeln, das das Publikum auch ohne das eigene Produkt hat. Vorschläge mit Produktnamen im Titel oder Verkaufsabsicht lehnen Komitees fast immer ab.
Wenn du mit deinem technischen Thema auf Entwicklerkonferenzen sprechen willst, auf denen deine Kundschaft sitzt, klären wir in einem Erstgespräch, welche Konferenzen zu deinem Angebot passen und wie wir deinen Vortrag dafür zuschneiden.

Marin Niehues ist Management-Berater und internationaler Speaker. Mit Niehues Consulting begleitet er Organisationen von Scaleups bis DAX40-Konzernen, auf der Bühne hat er über 100 internationale Konferenzeinladungen gesammelt.
Alle Beiträge von Marin Niehues


