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Wie viele Folien braucht ein Vortrag? Faustregeln für 20, 30 und 45 Minuten

Marin Niehues·10 Min. Lesezeit

Ein Vortrag braucht eine Folie je ein bis anderthalb Minuten Redezeit, also rund 10 bis 15 Folien für 20 Minuten, 15 bis 25 für 30 und 20 bis 35 für 45 Minuten. Gerechnet wird mit der Zeit, in der du tatsächlich sprichst, und die liegt auf einer Fachkonferenz fünf bis zehn Minuten unter der Länge im Programm. Feste Kurzformate schreiben die Zahl vor, Vorträge mit reinen Bildfolien kommen auf das Doppelte und mehr. Entscheidend für das Publikum ist weniger die Zahl als die Frage, ob jede Folie genau eine Aussage zeigt.

Marin Niehues an Pult vor Leinwand spricht zu sitzendem Publikum in lichtdurchfluteter Halle mit Galerie.

Ein Vortrag braucht eine Folie je ein bis anderthalb Minuten Redezeit, also rund 10 bis 15 Folien für 20 Minuten, 15 bis 25 für 30 und 20 bis 35 für 45 Minuten. Gerechnet wird mit der Zeit, in der du tatsächlich sprichst, und die liegt auf einer Fachkonferenz fünf bis zehn Minuten unter der Länge im Programm. Feste Kurzformate schreiben die Zahl vor, Vorträge mit reinen Bildfolien kommen auf das Doppelte und mehr. Entscheidend für das Publikum ist weniger die Zahl als die Frage, ob jede Folie genau eine Aussage zeigt.

Wie viele Folien braucht ein Vortrag von 20, 30 oder 45 Minuten?

Für einen Slot von 20 Minuten planst du 10 bis 15 Folien, für 30 Minuten 15 bis 25 und für 45 Minuten 20 bis 35. Ein Slot ist das feste Zeitfenster, das der Veranstalter einer Konferenz für eine Session vergibt, und diese Werte rechnen bereits heraus, dass ein Teil davon für Anmoderation, Fragerunde und Wechsel gebraucht wird. Wer mit der vollen Länge aus dem Programm rechnet, landet regelmäßig bei zu vielen Folien und muss auf der Bühne kürzen.

Die Faustregel von einer Folie je ein bis anderthalb Minuten stammt aus der Praxis von Fachvorträgen, in denen eine Folie eine Aussage mit ihrem Beleg zeigt: eine Zahl, ein Diagramm, ein Foto aus einem Projekt, einen kurzen Ablauf. Für die Erklärung einer solchen Folie brauchst du erfahrungsgemäß eine Minute, für ein Diagramm mit zwei Kurven eher zwei. Titelfolie, Gliederung und Schlussfolie zählen in der Rechnung mit, sie kosten aber kaum Redezeit, weshalb die obere Spanne gut erreichbar ist, sobald ein Vortrag mehrere solche Übergänge hat.

Die Spanne innerhalb jeder Länge erklärt sich aus dem Inhalt. Ein Vortrag, der an einem einzigen Projekt entlang erzählt, braucht weniger Folien als einer, der fünf Zahlen aus einer Erhebung zeigt, weil eine gut erzählte Geschichte eine Folie länger stehen lassen kann. Ein Vortrag mit Live-Demonstration braucht ebenfalls weniger, weil die Demonstration selbst Zeit ohne Folien füllt.

Warum die Redezeit zählt und die Slot-Länge täuscht

Die Zahl im Konferenzprogramm beschreibt das ganze Zeitfenster, und deine Redezeit liegt fünf bis zehn Minuten darunter. Der Saal braucht ein bis zwei Minuten, bis er nach dem Wechsel ruhig ist, die Anmoderation nimmt eine weitere, und die Fragerunde gehört auf den meisten Konferenzen zum Slot, gerechnet mit fünf bis zehn Minuten. Aus einem Slot von 45 Minuten werden so rund 35 Minuten, in denen du sprichst, aus 30 Minuten werden 22 bis 25 und aus 20 Minuten etwa 15. Wie sich diese Zeitfenster auf Konferenzen verteilen, beschreibt der Beitrag zur Frage, wie lange ein Vortrag auf einer Konferenz dauert.

Ob die Fragerunde in deinem Slot enthalten ist, steht in der Ausschreibung oder im Speaker Briefing, also den Unterlagen, die der Veranstalter nach der Zusage verschickt. Die Angabe „30 Minuten inklusive Q&A“ ist der Normalfall, Q&A steht dabei für die Fragerunde. Fehlt die Angabe, rechnest du mit Fragerunde im Slot, weil der umgekehrte Fehler teurer ist: Ein Vortrag, der fünf Minuten zu kurz geplant war, bekommt eine längere Fragerunde, während ein Vortrag mit fünf Minuten Überlänge den Schluss verliert.

Interaktives Werkzeug

Folien-Rechner

Wähl die Länge deines Slots und deinen Vortragsstil. Du bekommst den Richtwert für deine Folienzahl nach den Faustregeln aus diesem Beitrag.

Zum Rechnen braucht dieses Werkzeug JavaScript.

Was die Forschung über Folien und Verständnis sagt

Die Forschung zum Lernen mit Bild und Wort zeigt, dass Menschen besser verstehen, wenn eine Folie wenig Text und eine klare Aussage enthält. Der Psychologe Richard E. Mayer hat in seinen Untersuchungen zum multimedialen Lernen Grundsätze herausgearbeitet, die sich auf Vortragsfolien übertragen lassen. Überflüssiges Material senkt das Verständnis, Hervorhebungen lenken den Blick auf das Wesentliche, und gesprochenes Wort mit Grafik funktioniert besser als gesprochenes Wort mit demselben Text auf der Leinwand. Den letzten Punkt kennt jeder aus dem Publikum: Steht der Satz auf der Folie, den der Sprecher gerade sagt, liest der Saal schneller, als der Sprecher redet, und hört dann nicht mehr zu.

An der Pennsylvania State University haben Joanna Garner und Michael Alley diese Grundsätze in einem Experiment mit 110 Studierenden der Ingenieurwissenschaften geprüft. Eine Gruppe lernte mit Folien im üblichen Aufbau aus Stichwortüberschrift und Aufzählung, die andere mit Folien, die oben eine Aussage als vollständigen Satz zeigen und darunter einen visuellen Beleg. Die zweite Gruppe verstand den Stoff besser, hatte weniger Fehlvorstellungen und empfand die Aufgabe als weniger anstrengend. Auch beim späteren Abfragen erinnerte sie mehr.

Für die Folienzahl folgt daraus etwas Unerwartetes. Wer eine Aussage je Folie zeigt, kommt auf mehr Folien als jemand, der drei Aussagen auf eine Folie schreibt, und der Vortrag wird dadurch leichter verständlich. Eine hohe Folienzahl spricht deshalb für Klarheit, solange jede Folie schnell erfasst ist. Überladen wirkt ein Vortrag, wenn eine Folie länger erklärt werden muss, als das Publikum sie anschauen mag.

Wann viele Folien richtig sind: Bildfolien und feste Formate

Feste Kurzformate legen die Folienzahl verbindlich fest. Pecha Kucha, entwickelt 2003 von den Architekten Astrid Klein und Mark Dytham in Tokio, schreibt 20 Folien zu je 20 Sekunden vor, zusammen sechs Minuten und vierzig Sekunden. Beim Ignite Talk sind es ebenfalls 20 Folien, die nach je 15 Sekunden automatisch weiterschalten, insgesamt fünf Minuten. In beiden Formaten bestimmt die Folienzahl das Tempo, und der Sprecher muss sich nach ihr richten. Was diese Kurzformate für Speaker bedeuten, beschreibt der Beitrag über Pecha Kucha und Ignite.

Im Hauptprogramm gibt es einen zweiten Stil, der deutlich über der Faustregel liegt. Manche Sprecher zeigen auf jeder Folie nur ein Bild, ein Wort oder eine Zahl und wechseln im Takt ihrer Sätze, sodass ein Vortrag von 30 Minuten auf 60 oder 100 Folien kommt. Dieser Stil hält das Tempo hoch und funktioniert, wenn der Vortrag sehr genau geprobt ist, denn jeder Wechsel muss sitzen. Für einen ersten Auftritt auf einer Fachkonferenz ist die Faustregel der sicherere Rahmen, weil sie Luft für Fragen aus dem Saal und für spontane Ergänzungen lässt.

Die bekannte 10/20/30-Regel des Investors Guy Kawasaki gehört in einen anderen Zusammenhang. Sie verlangt zehn Folien, zwanzig Minuten und mindestens 30 Punkt Schriftgröße und ist für Präsentationen vor Investoren gedacht, in denen ein Gründer sein Geschäftsmodell zeigt. Für einen Fachvortrag sind zehn Folien in zwanzig Minuten am unteren Rand, die Mindestschrift von 30 Punkt passt dagegen gut zu jedem Konferenzsaal, weil auch die letzte Reihe die Folie lesen muss.

Wie viel Text gehört auf eine Folie?

Auf eine Folie gehört so wenig Text, dass das Publikum ihn in wenigen Sekunden erfasst hat und danach wieder dir zuhört. Bewährt hat sich ein Satz als Überschrift, der die Aussage der Folie enthält, und darunter ein Beleg, der ohne weiteren Text auskommt: ein Diagramm mit einer hervorgehobenen Linie, ein Foto, eine einzelne große Zahl. Fließtext und lange Aufzählungen gehören in ein Handout oder in die Unterlagen, die viele Veranstalter nach der Konferenz verschicken.

Ein häufiger Grund für zu viel Text ist der Wunsch, die Folien gleichzeitig als Spickzettel zu nutzen. Dafür gibt es die Referentenansicht, die auf dem Bildschirm des Sprechers Notizen und die nächste Folie zeigt, während der Saal nur die Folie sieht. Fast jede Präsentationssoftware bietet sie an, und die Technik vieler Konferenzsäle unterstützt sie, sofern du dein eigenes Gerät anschließt. Ob das geht, klärst du mit dem Veranstalter vor dem Auftritt.

Wer den Vortrag mit dir entwickelt

Die Folienzahl ist die letzte Stufe einer Arbeit, die viel früher beginnt: bei der Frage, welche Aussage dein Vortrag für das Publikum einer bestimmten Konferenz hat und in welcher Reihenfolge du sie belegst. Diese Reihenfolge heißt Dramaturgie, und sie entscheidet darüber, wie viele Folien ein Vortrag braucht. Einen Vortrag zu entwickeln kostet erfahrungsgemäß mehrere Arbeitstage, und dazu kommen die Suche nach den passenden Konferenzen und die Einreichungen, die Monate vor dem Auftritt fällig sind.

Diese Arbeit übernimmt Stage Starter für dich: Wir entwickeln Vortrag und Dramaturgie, finden die passenden Calls for Papers, schreiben die Einreichung und reichen ein. Ein Call for Papers ist die öffentliche Ausschreibung, mit der eine Konferenz Vortragsvorschläge einsammelt. Die grafische Gestaltung der Folien setzt danach ein Designer um, wie der Beitrag über Folien für den Konferenzvortrag beschreibt. Die Zusammenarbeit startet ab 990 € netto im Monat. Wie sich der ganze Weg vom Thema bis zur ersten Bühne zusammensetzt, zeigt der Leitfaden Speaker werden.

Häufige Fragen

Wie viele Folien braucht ein Vortrag von 30 Minuten?

Ein Vortrag von 30 Minuten braucht 15 bis 25 Folien. In einem Slot dieser Länge bleiben nach Anmoderation und Fragerunde 22 bis 25 Minuten Redezeit, und bei einer Folie je ein bis anderthalb Minuten ergibt sich diese Spanne. Bei reinen Bildfolien kommen auch 50 und mehr Folien vor.

Wie viele Folien brauche ich für 10 Minuten?

Für zehn Minuten Redezeit planst du sechs bis zehn Folien. Kurzvorträge zeigen meist eine These mit einem Beispiel, sodass wenige Folien genügen. Bei festen Formaten wie Ignite sind es unabhängig davon genau 20 Folien in fünf Minuten.

Wie viele Folien hat eine Keynote von 60 Minuten?

Eine Keynote von 60 Minuten hat bei klassischem Aufbau 40 bis 60 Folien. Eine Keynote ist der Hauptvortrag vor allen Teilnehmern einer Konferenz, und viele Keynote-Sprecher arbeiten mit großen Bildfolien, wodurch die Zahl deutlich höher ausfällt. Die Redezeit liegt bei Keynotes näher an der Slot-Länge, weil sie oft ohne Fragerunde laufen.

Wie lange sollte eine Folie stehen bleiben?

Eine Folie mit Aussage und Beleg bleibt ein bis zwei Minuten stehen. Reine Bildfolien wechseln nach 10 bis 30 Sekunden, Diagramme mit mehreren Linien brauchen länger. Steht eine Folie länger als drei Minuten, trägt sie meist mehr als eine Aussage und lässt sich teilen.

Zählen Titelfolie und Schlussfolie mit?

Ja, sie zählen zur Folienzahl, kosten aber kaum Redezeit. Titelfolie, Gliederung und Schlussfolie füllen zusammen ein bis zwei Minuten. Zusatzfolien im Anhang für die Fragerunde zählen dagegen nicht mit, weil du sie nur auf Nachfrage zeigst.

Welche Schriftgröße brauchen Folien im Konferenzsaal?

Folien im Konferenzsaal brauchen mindestens 24 Punkt, besser 30 Punkt für Fließtext und Beschriftungen. Die letzte Reihe eines großen Saals sitzt oft zwanzig Meter und mehr von der Leinwand entfernt, und der Beamer liefert weniger Kontrast als dein Bildschirm. Diagrammbeschriftungen sind die häufigste Stelle, an der Folien unlesbar werden.

Braucht jede Konferenz meine Folien vorab?

Viele Veranstalter verlangen die Folien einige Tage vor dem Auftritt, damit sie auf dem Rechner im Saal laufen. Die Frist und das Dateiformat stehen im Speaker Briefing. Für die Einreichung im Call for Papers brauchst du keine Folien, dort entscheidet das Abstract, also die kurze Beschreibung des geplanten Vortrags.

Wenn du deinen Vortrag nicht neben dem Tagesgeschäft selbst entwickeln und einreichen willst, besprechen wir in einem Erstgespräch, welche Bühnen zu deinem Thema passen und wie wir den Vortrag dafür aufbauen.

Marin Niehues

Marin Niehues

Marin Niehues ist Management-Berater und internationaler Speaker. Mit Niehues Consulting begleitet er Organisationen von Scaleups bis DAX40-Konzernen, auf der Bühne hat er über 100 internationale Konferenzeinladungen gesammelt.

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